#1 RE: Beitrag zur Qualitätsdebatte (Konkurrenz der Kindergärten) von Gerd Detering 12.09.2000 08:06

Konkurrierender Wettbewerb in der Jugendhilfe.
Konkurrenz soll ja das Geschäft beleben: einige Tageseinrichtungen für Kinder haben freie Plätze, andere führen noch Wartelisten. Im Trend, das ist abzusehen, werden jedoch die Wartelisten zurückgehen und die Anzahl freier Plätze zunehmen.
Hier sehe ich eine mögliche Chance: aufgrund dieser Entwicklung könnte z.B. realisiert werden, die Gruppenstärken endlich zu senken oder die Tagesplätze für bis zu 3jährige Kinder und Schulkinder bedarfsgerecht auszubauen.
Beispielsweise könnte bei sinkendem Bedarf an Kindergartenplätzen (rein rechnerisch in Bezug auf Lippe) die Regelgruppenstärke um Eins von 25 auf 24 Kinder gesenkt werden, oder mindestens 2 Einrichtungen ganz geschlossen werden. Diese zweite Möglichkeit ist (in größerem Maßstab) sicher sehr interessant; aus finanziellen Erwägungen natürlich (Einsparpotential).

In der Regel spricht aber einiges gegen die Verringerung der Anzahl der Kindergärten bei sinkendem Platzbedarf: wohnortnahe Versorgung (kurze Wege), Erhalt der Angebotsvielfalt, Ausbaumöglichkeit für Plätze für Schulkinder und unter 3jährige Kinder, Möglichkeit der Reduzierung der Gruppenstärken und natürlich auch Erhalt von Arbeitsplätzen.
Angesichts dieser Perspektiven müssen sich m.E. die Tageseinrichtungen für Kinder und auch die Eltern rechtzeitig entschließen welchen Weg sie gehen wollen (bezogen auf den einzelnen Kindergarten): sich auf einen "Überlebenskampf" in Konkurrenz untereinander einzulassen, oder die Kooperation aller Beteiligten zur Verbesserung der Angebote und Bedingungen in den Einrichtungen zu suchen.

Ich halte diesen zweiten Weg für besser. So ist z.B. im Anmeldeverfahren durchaus eine gemeinsame Absprache der Einrichtungen in einem Versorgungsgebiet sinnvoll und notwendig. Auch Eltern haben ja ein Interesse daran für ihr Kind den geeigneten Kindergarten zu finden, der nicht in jedem Fall auch unbedingt der nächstgelegene sein muss. Warum sollten nicht alle Kindergärten in einem Wohngebiet z.B. einen gemeinsamen Informationsabend für Neuanmeldungen organisieren? Warum sollte sich nicht gemeinsam, trägerübergreifend, im Einzugsgebiet überlegt werden wo z.B. Gruppenumwandlungen oder Anpassungen zweckmäßig und notwendig sind? So lassen sich für verschiedene Einrichtungen in einem Wohngebiet doch meist kooperative Lösungen im Interesse aller Beteiligten finden, statt einen Konkurrenzkampf um die Belegungszahlen zu führen.

Werbung für Kindergartenplätze im Sinne eines "Reklame-Wettbewerbes" sind deshalb m.E. nicht die Lösung, sondern Teil der Probleme die u.a. eine konkurrenzorientierte Qualitätsdebatte hervorgebracht hat. Tatsächlich meinen ja auch viele ErzieherInnen, je größer die Anmeldezahlen ihrer Einrichtung sind, desto besser sei auch ihre Qualität.

Ein weiterer Aspekt ist die Ungleichheit der Bedingungen der einzelnen Tageseinrichtungen für Kinder. Wie soll z.B. ein konkurrierender Vergleich zwischen einer Einrichtung in einem sozialen Brennpunkt und einer in einem gutbürgerlichen Wohngebiet stattfinden? Wird dann nicht schnell z.B. "ausländerfrei" zu einem Entscheidungskriterium? Oder eine Einrichtung hat die Eltern, die in der Lage sind durch zusätzliche finanzielle Beiträge (Förderverein o.ä.) die personelle und sachliche Ausstattung zu verbessern, eine andere Einrichtung hat aber nicht solche Möglichkeiten?
Die pädagogische Qualität (die Kind-ErzieherIn-Beziehung) - wo wird sie Wettbewerb untergebracht?












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