#1 RE: Austausch über Positionen der Berufsverbände und Gewerkschaften von weinmann 01.11.2000 21:54

Welche Fragen der Erzieherinnenausbildung werden derzeit von den Berufsverbänden und Gewerkschaften diskutiert?
Gibt es aus den einzelnen Bundesländern erste Ergebnisse, was die Umsetzung der KMK-Rahmenvereinbarung angeht?

#2 RE: Austausch über Positionen der Berufsverbände und Gewerkschaften von weinmann 01.11.2000 21:58

Im Oktober fand doch die erste Sitzung statt, bei der es um die Umsetzung der KMK-Rahmenvereinbarung ging. War jemand von Euch dabei oder hat erste Informationen, die er zur Verfügung stellen kann?

#3 RE: Austausch über Positionen der Berufsverbände und Gewerkschaften von Petra Adolph 16.11.2000 23:03

Neu ist, dass die GEW an einem Gespräch im Kultusministerium über die Umsetzung der KMK-Rahmenvereinbarung zur Ausbildung und Prüfung von Erziehern und Erzieherinnen zusammen mit den kirchlichen und kommunalen Verbänden, sowie den Oberschulämtern teilnehmen "durfte".
Alt ist die Tatsache, dass Reformen Geld kosten und solches für Veränderungen selten ausgegeben wird in Baden-Württemberg.
Die KMK-Rahmenvereinbarung (siehe dazu kiebitz vom Juni) gibt die zu diskutierenden Punkte vor:
· Zweijährige Vorbildung als Eingangsvoraussetzung für die Ausbildung zur Erzieherin
· enge Verzahnung von Theorie und Praxis
· Lernbereiche/Lernfelder
· Erwerb der Fachhochschulreife


Frau Rothenhäusler vom Kultusministerium fasste die Diskussion mit folgenden Punkten zusammen:
· Fünfjährige Ausbildung
· Zwei Jahre Vorbildung mit einem höheren Praxisanteil, zertifizierte Abschlussmöglichkeit zur Sozial- oder ErziehungsassistentIn
· Lernbereiche/Lernfelder werden eingeführt
· Berufspraktikum bleibt am Ende der Ausbildung mit einer höheren Integration in die Ausbildungsstätte
· Fachhochschulreife nach zwei oder nach vier Jahren.

Man war sich über die Notwendigkeit einig, den Berufsstand attraktiv zu halten bzw. zu machen, den veränderten Anforderungen in Kindertageseinrichtungen mit einer angemessenen Ausbildung zu begegnen und die Sackgassensituation des ErzieherInnenberufes aufzuheben.
Das weitere Vorgehen des Ministeriums sieht vor, dass nach der Abklärung mit den betroffenen Ministerien eine Arbeitsgruppe zur inhaltlichen Planung eingerichtet wird. Dafür wird jeweils ein Vertreter/ eine Vertreterin aus den Verbänden bzw. anderen Interessenvertretungen und der GEW (!) dazu berufen. Im Sommer 2001 soll der Lehrplan und die Stundentafel, sowie die Qualifizierungspunkte geklärt sein, ab dem Sommer 2002 soll die neue Ausbildung beginnen.
__________________________
Die GEW ist der Auffassung, dass eine tatsächliche Reform der Erzieherinnenausbildung nicht kostenneutral zu verwirklichen ist! Die notwendigen Veränderungen in der stärkeren Verzahnung von Theorie und Praxis, die Einführung der Lernfeldkonzeption erfordern eine Erhöhung des Stundendeputats der Lehrenden. Wir plädieren vehement gegen die Einführung eines neuen deprofessionalisierten Berufsabschlusses als Sozial- oder Erziehungsassistentin. Wir befürchten, dass unzureichend ausgebildete Menschen mit geringstem Lohn in den Einrichtungen arbeiten. Die zweijährige Vorbildung sollte eine Verzahnung von Theorie und Praxis mit einer Erhöhung der Allgemeinbildung sein. Die Vorbildung sollte dazu dienen, sich in unterschiedlichen Feldern der sozialen Arbeit in der Jugendhilfe zu orientieren und zur Fachhochschulreife qualifizieren. Die Praxisbetreuung muss durch einen angemessenen Lehrer-Schüler/innen-schlüssel erfolgen, mindestens 1:2. Die GEW hält eine Integration des Berufspraktikums in die gesamte Ausbildungsstruktur für sinnvoll.
Leider legte das Kultusministerium kein eigenes Konzept der Vor- und Ausbildung vor; daher war auch eine inhaltliche Diskussion der Vor- und Ausbildungsstruktur nicht möglich, wurde aber während des Gesprächs u.a. von der GEW eingefordert. Wir meinen, dass die Struktur mit den Inhalten übereinstimmen muss; so sollte zum Beispiel während der Vorbildung eine reflektierte Kenntnis der sozialpädagogischen Berufsfelder erworben werden. Oder es sollte während der Vorbildung die Grundlage für eine differenzierte Wahrnehmung gelegt werden. Die eigene Sozialisation sollte überdacht sein. Inhaltlich könnte dann während der Ausbildung auf diese Prozesse Bezug genommen werden. Orientierung, Grundlagenvermittlung und Schwerpunktsetzung sollten in jedem Lernfeld die Ausbildung
strukturieren.
Die zweijährige Vorbildung jedenfalls darf nicht zu einem zweijährigen Vorpraktikum mit all' den in den letzten Jahren immer wieder kritisierten Nachteilen verkommen.
Wir halten unsere Mitglieder und Leser/innen des kiebitz auf dem laufenden...

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