Was haltet ihr von authoritärer Erziehung?

02.12.2003 13:27
avatar  Kathy ( gelöscht )
#1
Ka
Kathy ( gelöscht )

Im Rahmen einer Lehrveranstaltung sollten wir möglichst nüztliche Informationen über dieses Forum hier gewinnen. Wir möchten eine einfache Frage stellen um zu sehen, welche Meinung ihr dazu so vertretet u. würden dies gerne in unsere Arbeit miteinfließen lassen. Also: Was haltet ihr so oder was fällt euch zu dem Begriff autoritäre Erziehung ein? Wir wären euch für zahlreiche Tips u. Antworten dankbar :-)

ganz liebe grüsse aus tirol von kathy, raffaela u. daniela


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03.12.2003 19:35
avatar  Esperanza ( gelöscht )
#2
Es
Esperanza ( gelöscht )

Was ist autoritäre Erziehung?

Bei einem autoritären Erziehungsstil versucht der Erzieher, durch häufiges Anordnen, Zurechtweisen und Tadeln eine gewisse Disziplin aufrecht zu erhalten. Die Kinder erhalten wenig Möglichkeiten, selbst Entscheidungen zu treffen, Angelegenheiten zu diskutieren, Bedürfnisse zu äußern. Die Interaktionen in der Gruppe laufen größtenteils über den Erzieher. Bei Konflikten zwischen den Kindern mischt der Erzieher sich ein, regelt und entscheidet den Konflikt. Der Erzieher bestimmt, wann sich die Gruppe mit welchen Themen beschäftigt und wer welche Aufgaben übernimmt. Autoritär geleitete Gruppen haben oft ein hohes Arbeitstempo. Ein autoritärer Erzieher glaubt oft, dass Kinder sich selbst nicht sinnvoll beschäftigen können und dass ohne ihn nichts läuft. Meist hat er damit recht, denn die Kinder lernen durch diesem Stil nicht, sich selbst zu beschäftigen oder ihre Konflikte auszutragen. Fällt der Erzieher als Anleiter und Schiedsrichter weg, ist die Gruppe überfordert.

Klare Regeln und Grenzen, Konsequenz und verbindliche Absprachen kann man auch ohne autoritäre Erziehung haben.

Was halte ich von autoritärer Erziehung?

Wie man die Sinnhaftigkeit eines Erziehungsstils beurteilt, hängt davon ab, wie man sich die Zukunft unserer Gesellschaft vorstellt. Vielleicht leben unsere Kinder in Zukunft in klaren Hierarchien, in denen sie eindeutige Handlungsanweisungen erhalten. Vielleicht wird es in der zukünftigen Gesellschaft klar definierte Werte und Lebensentwürfe geben, die man möglichst unreflektiert übernehmen muss, um nicht aus der Rolle zu fallen. Vielleicht hängt der berufliche Erfolg in Zukunft davon ab, Anweisungen möglichst präzise ausführen zu können. Vielleicht leben wir auch in einer Art Polizeistaat, der bei aufbrechenden Konflikten einschreitet und einen Sieger und einen Verlierer ermittelt.

Für so eine Gesellschaft wäre der autoritäre Erziehungsstil ideal.

Wahrscheinlich sieht unsere Zukunft aber eher so aus: Es wird eine multikulturelle Gesellschaft sein, in der zahlreiche Religionen, Wertesysteme und Lebensstile miteinander konkurrieren. Unsere Kinder werden dazu verdammt sein, aus diesen vielen Möglichkeiten zu wählen und einen eigenen Standpunkt zu entwickeln. Wahrscheinlich werden sie diesen mühsam gefundenen Standpunkt mehrmals im Leben aufgeben müssen, um sich an neue Lebensbedingungen anpassen zu können. Es wird wahrscheinlich eine Gesellschaft sein, in der durch den technischen Fortschritt ständig neue Berufe entstehen, während andere Berufe überflüssig werden. Es wird eine Gesellschaft sein, in der es nicht reichen wird, Schule und Studium gut abgeschlossen zu haben, sondern in der man sich immer wieder selbst um Weiterbildungsmöglichkeiten bemühen muss. Man wird neugierig sein müssen und offen für neue Erfahrungen und Ansichten. Wenn man arbeitslos wird - und das wird vermutlich auch sehr hochqualifizierten Leuten mehrmals im Leben passieren - wird einen niemand an der Hand nehmen und einen Weg aus dieser Situation weisen. Man wird seinen eigenen Stärken und Schwächen genau kennen müssen, um eine eigene Strategie zu entwickeln. Wenn Konflikte aufbrechen, wird man in der Lage sein müssen, sich mit anderen zusammen zu tun, die ähnliche Probleme haben. Man wird in der Lage sein müssen, mit dem Gegner zu verhandeln, Kompromisse zu suchen, den eigenen Standpunkt zu behaupten und zu begründen. Es wird vermutlich überhaupt eine Gesellschaft sein, in der man viel diskutieren, erörtern, darstellen, sich selbst informieren, formulieren, schreiben und verhandeln muss. Im Berufsleben wird man vermutlich mit Befehlen und Gehorchen nicht sehr weit kommen.

Für eine solche Gesellschaft bereitet der autoritäre Erziehungsstil nicht vor.

Es gibt allerdings immer noch viele Leute, die glauben, gerade in solch einer offenen, multikulturellen Gesellschaft sei der autoritäre Erziehungsstil optimal. Die Idee dahinter ist grob vereinfacht etwa folgende: In diesem Chaos erkenne ich als Erzieher den richtigen Weg zum Erfolg. Andere Lebensstile und Wertesysteme sind falsch oder zumindest schlechter. Die vielen Möglichkeiten, die das moderne Leben bietet, lenken das Kind vom richtigen Weg ab. Ich als Erzieher muss das Kind also von schädlichen Einflüssen möglichst fernhalten und es für den richtigen Weg konditionieren. Wenn es sich in jungen Jahren möglichst an die festen Regeln gewöhnt, die ich ihm vermittle, bleibt es auch in reiferen Jahren auf dem richtigen Weg, der ihn zum Erfolg führen wird.

Bleibt zu sagen, dass der autoritäre Erziehungsstil von Erzieherinnen nicht ausgeübt werden sollte. Das GTK, das KJHG und das BGB fordern einen partnerschaftlichen Erziehungsstil, der sich um einvernehmliche Lösungen bemüht und der wachsenden Selbstständigkeit des Kindes Rechnung trägt.


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02.12.2003 22:13
avatar  Regine ( gelöscht )
#3
Re
Regine ( gelöscht )

Das heißt vor allem: feste Prizipien, feste Formen und festgelegte Strafen bei Verstößen dagegen.


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03.12.2003 17:15
avatar  Raffaela ( gelöscht )
#4
Ra
Raffaela ( gelöscht )

erstmals danke für die antwort :-) mich bzw. uns würde auch interessieren, ob ihr sie für gut befindet, ob sie noch aktuell ist oder doch überholt? was denkt ihr da so dazu???

danke

lg

raffaela


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