Neuordnung der Erzieherausbildung, Ideen dazu und auftauchende Probleme...

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23.12.2003 14:36
avatar  JoJo ( gelöscht )
#16
Jo
JoJo ( gelöscht )

Hi Kalki,

im Grunde sind wir uns einig. Letzendlich kommt es darauf an, was man selbst aus seiner Ausbildung macht. Egal ob Schule, FH oder sonstwo. Zusätzlich kommt es auch darauf an, welche Lehrer, Profs. o.ä. man hat.

Was das "zu teuer" angeht, da habe ich ganz klar ein "Totschlagargument" gebracht. Dem ist also eingentlich gar nichts entgegenzusetzen. Mit zu teuer meine ich aber nicht die Umstellung von Schule auf FH, sondern die spätere Bezahlung. jemand mit einem Studium wird sich nicht mit den Bezahlungs- und Arbeitsbedingungen herumärgern wollen.
Gesamt gesehen bin jedoch auch der Meinung, dass das Bildungssystem gar nicht hoch genug bezahlt, bzw. mit Geldmitteln ausgestattet werden kann. Leider werden jedoch die Früchte erst viele viele Jahre später eingefahren. Die aktuellen Politiker haben also daher nichts als Ausgaben vorzuweisen. Vielleicht wird auch deshalb noch im Bildungssystem gekürzt. LEIDER!!!
Ich wäre auch froh darüber, wenn sich im System etwas Grundlegendes ändern würde. Hier bin ich jedoch Pessimist und versuche im Kleinen, also an der aktuellen Schulausbildung etwas zu ändern; mit den Schülern.

Ciao
JoJo


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23.12.2003 17:41
avatar  Kalki ( gelöscht )
#17
Ka
Kalki ( gelöscht )

Hi JoJo,

im Grunde haben wir tatsächlich nicht so sehr
unterschiedliche Standpunkte.
Ich frage mich, wieso Du eine so negative,
pessimistische Einstellung hast.
Du sagst, dass die Träger "besser" und "höher" qualifizierte
Erzieher nicht bezahlen würden/könnten/wollen. Daraus
folgt für dich, dass niemand, der eine FH-Ausbildung hat
als "Erzieher" mehr arbeiten wollen würde/könnte.

Wie kommst du darauf, dass es den Trägern zu teuer wäre,
gut ausgebildetes Personal zu beschäftigen ?
Nehmen wir mal an, ein an einer FH ausgebildeter Erzieher bekäme
das Gehalt eines dipl.SozPäd, das wären dann in etwa BAT III-Vb.
Glaubst du, davon würden DRK&co, die Gemeinden etc. pleite gehen ?
Bist du allen ernstes der Ansicht, dass es nicht möglich sein soll
Finanzen so umzustellen, dass man dem sozialpäd.Personal eine
ausbildungsgerechte Bezahlung zukommen lässt ?

Klar ist das alles eine teure Angelegenheit...
...aber wie gesagt, guck dir mal an, was sonst alles
"unmögliches" finanzierbar ist. €urofighter&co sind
dafür ein Beispiel ! Diese Dinge sind möglich, obwohl sie
"sauteuer" sind, dort wird zwar auch gejammert, aber trotzdem
bringt man die Mittel dafür auf
(auch Flugzeuge haben "laufende" Kosten --> Wartung&Piloten&Bodenpersonal).

Ich bin kein Freund von Phrasen, aber diese ist doch wahr:

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg !

(Falls ich es falsch Zitiert haben sollte: Mir kommt es auf den Inhalt an, nicht auf die korrekte Wiedergabe eines Zitates)

Leider fehlt dieser Wille zur Veränderung, ja sogar
die Betroffenen selbst (die in soz.päd. Einrichtungen tätigen)
wollen diese Veränderung nicht.
Sonst würden sie ja nicht im vorhinein schon sagen "ach das ist
ja eh' alles viel zu teuer - darum lassen wir es gleich".

So kommt man doch nicht weiter !

Zur Finanzierung einer Umstellung der Ausbildung
könnte ich mir vieles vorstellen, eine höhere Tabak-, Öl-,
Alkohol- Steuer (bzw. diese EInführen). Oder Umschichtungen
von aktuellen Ausgaben/laufenden Kosten (Rüstungsvorhaben,
Bau neuer Autobahnen).

Die "laufenden" Kosten könnten durch die jeweilgen Träger
umgeschichtet werden, höhere Einnahmen durch (beispielsweise)
höhere Gebühren könnten zur Finanzierung beitragen.
Allgemein könnten höhere Gebühren vorerst helfen (z.B. KiTa Gebühren,
sofern Eltern diese entrichten können, sonst staatl. Unterstützung).

Eine Finanzierbarkeit gleich völlig auszuschließen halte ich
für naiv (das soll dich nicht persönlich angreifen, JoJo).

In vielen anderen Ländern ist es längst möglich, "besser" ausgebildetes
Personal im elemantar-Bereich zu beschäftigen (und auch ihrer
Ausbildung gemäß zu bezahlen!).

Grüße,

- Kalki -


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24.12.2003 13:25
avatar  JoJo ( gelöscht )
#18
Jo
JoJo ( gelöscht )

Hi Kalki,

wie schon gesagt, wir sind der gleichen Meinung. Vielleicht klinge ich auch nur zu pessimistisch.
Ich bin nicht der Meinung, dass kein Weg da ist. Aber ich habe das Gefühl, dass es vielfach am Willen fehlt. Zum einen bei entsprechenden Verantwortlichen (z.B. Politikern), zum anderen aber auch ganz allgemein beim "Volk". Wie hoch ist die Anerkennung von Erzieherinnen im Kiga? Wie oft denken sich Außenstehende, dass da nur gespielt wird. Und wie oft kommen auch Anfragen hier im Forum, ob nicht eine gewisse Zeit als Mutter schon als Eingangsqualifikation durchgehen kann (bevor Fragen aufkommen: diese Seitenhieb bezieht sich ganz gezielt auf ein relativ aktuelles Posting im Forum).
Ich weiß, die Argumente die ich nenne, lassen kein Anfang und kein Ende erkennen. Wenn die Ausbildung höherqualifiziert erscheint, steigt auch vermutlich die Anerkennung; oder umgekehrt.

Letztendlich wehre ich mich immer nur gegen das Argument, dass die Ausbildung an die Fachhochschule muss, um besser zu werden. M.E. wäre es auch schon mit anderen Strukturen an den Fachschulen getan. Wobei, und jetzt mag es schizophren werden, ich auch für eine Verlagerung der Ausbildung an die FH bin. Jedoch aus dem Grunde, dass sich im festgefahrenen Schulsystem vermutlich nicht so schnell etwas positives bewegen wird. Nicht, weil es an der FH automatisch besser wird.

Naja, erstmal frohe Weihnachten

JoJo


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24.12.2003 20:36
avatar  Kalki ( gelöscht )
#19
Ka
Kalki ( gelöscht )

Hi Jojo,

eine Frage stellt sich mir doch, obwohl, nein
gerade weil wir ja im Grunde einer Meinung sind, dass
sich was im Bildungssystem verändern muss. Ja, ich denke
wir sind uns auch wahrscheinlich über die Zielvorstellungen
der Veränderungen (größtenteils) einig.
Nun aber das, was ich mich frage:

Wieso hast du diese negative, deprimierend pessimistische
Einstellung ?!?
Ja, den Verantwortlichen ist unser Anliegen nicht "wichtig
genug", dem "Volke" ist es im Grunde egal, da wir ja nur "spielen" müssen.

Wie bitte, möchtest du Veränderungen durchsetzten, die Verantwortlichen
und das Volk überzeugen, wenn du so resignierst und einfach
"innerhalb des Systems" (d.h. der bisherigen Fachschulausbildung) bleibst
(und versuchst es da, "so gut wie möglich" zu machen) ?

Wenn selbst wir (die "betroffenen") sagen, dass Veränderungen
nicht möglich seien ("ach, das is'ja eh'alles viel zu teuer" etc.).

Wie soll die Politik überzeugt werden, etwas zu ändern wenn
selbst der Großteil der Pädagogen, Fachschullehrer und Erzieherinnen
sagt, dass es "nichts zu verändern" gibt, oder
(grundsätzliche) Veränderungen gar nicht möglich seien ???

Ich verstehe nicht, warum die Motivation so gering ist, sich
wirklich (!) für Veränderungen einzusetzen.

Machbar ist eine Reform auf jeden Fall, auch im Bildungsbereich !

Naja, ich wünsche erstmal allen ein frohes&erholsames und glückliches
Fest und schöne Feiertage...

Grüße,

- Kalki -


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14.01.2004 12:26
avatar  Brian25 ( gelöscht )
#20
Br
Brian25 ( gelöscht )

Hi Leute,

ich schätze Eure Diskussionsfreudigkeit und Eure Aargumente sind auch nicht schlecht! Ich möchte allerdings noch anbringen, dass Erzieher auch schon relativ "teuer" sind, wenn davon überhaupt sprechen sollte.
Ob ich nun an einer Fachschule oder an der Fachhochschule lerne/studiere macht meiner Meinung keinen Unterschied. Das "Problem" mit unreifen bzw. nicht fähigen Absolventen hat man an beiden Schulformen. Und das zu beurteilen liegt bei den Lehrern!
Ob nun gute oder schlechte Ausbildung oder Einstellung zum Beruf, ob ich nun an einer FH oder FSP gelernt habe, es bleibt das gleiche Problem: Überfüllte Einrichtungen und kündigung von Tarifverträgen. Auch ein "Diplomerzieher" wird mit Sicherheit nicht mehr verdienen als ein Erzieher ohne Diplom und überfüllte Kindergärten kann man auch als Dr. oder Prof. nicht allein im Gruppendienst nicht händeln!!!
Eine Anmerkung habe ich noch zu der Überlegung von Kalki zur Einstufung der Erzieher ohne Diplom, wenn es Erziehr mit Diplom gibt. Auch wenn es nur eine Überlegung war und ein nicht ausgereifter Gedanke, so kann ich diesen Gedakengang nicht verstehen. Es geht da meiner Meinung nach dann nur um das bezahlen von Titeln und das haben sich sogar schon einige Träger abgewöhnt. Als Erzieher in einer Heimgruppe verdine ich annährend so viel wie der Kollege Sozialpädagoge im Breich der Koordination/Bereichsleitung.

Eine Frage noch zum Schluß: Worin unterscheidet sich der Studiengang Sozialpädagogik/Sozialarbeit von dem des "DiplomErziehers" - wenne es dann soweit kommt ???


Mfg


Brian25 - staatlich anerkannter Erzieher


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18.01.2004 23:37
avatar  Kalki ( gelöscht )
#21
Ka
Kalki ( gelöscht )

Hallo Brian25 :-)

Wie meinst du das: "dass Erzieher auch schon relativ teuer sind" ?
Meinst du, dass sie als Arbeitskraft teuer sind ?
Oder während der Ausbildung ?
Kannst du mir das Argument erklären, ich kann es
nicht in Zusammenhang mit den vorrangeganen Argumenten
für ein Umstrukturierung der Ausbildung setzen.

Wieso glaubst du, man hat das gleich Problem der "Motivation"
auch auf einer FH ?
Ich sehe das anders !
Auf einer Fachhochschule (=min. 12 Jahre vorrangeganger Schulzeit)
sind mit Sicherheit keine Menschen anzufinden, die Aufgrund
der Schulpflicht (!) angenommen wurden / sich entschieden haben
den Beruf zu erlernen. Oder weil Mutti es ihnen nahegelegt hat und
sie da einfach mal so angemeldet hat...

Auf einer FH kann man schon davon ausgehen, dass die Leute den
Beruf auch wirklich erlenen WOLLEN, und auch, zumindest in Maßen,
"reifer" sind.
(hui - klingt echt ganz schön provozierend... *gg*)

Dass Erzieher im Gruppendienst ihr Studium mit einem Doktor
abschließen... naja, das ist echt übertrieben (hat hier aber niemand
je' gesagt), und Professoren, naja, meines Wissens nach Lehren die
an Hochschulen... (soviel zu den mit Kindergarten-Gruppen überforderten
Doktoren&Professoren aus deinem Beitrag).

Das Argument verstehe ich ebenfalls nicht:
"Es geht da meiner Meinung nach dann nur um das bezahlen von Titeln [...]"
Wieso bekommen denn nun Absolventen von Hochschulen ein höheres Gehalt?
Mit Sicherheit nicht aufgrund eines Papieres !
Es geht doch vielmehr darum, dass sie eine qualitativ "höherwertige"
Ausbildung abgeschlossen haben, bewiesen haben komplexere
Fragestellungen zu bearbeiten etc. !
Um einen "bloßen" Titel geht es doch gar nicht...
... es geht um die vermittelten Fähigkeiten.

Die Inhalte eines SozPäd-Studium sind sehr weit
gefächert... worum es da geht
steht z.B. hier: www.efh-hannover.de

Die Unterschiede zwischen SozPäd, Erzieher-Schul-Ausbildung
und Erzieher-Hochschulausbildung, ja, genau um diese Inhalte
geht es hier doch...
... und eine Fachhochschulausbildung soll eben NICHT so
sein wie die Ausbildung an einer FSP(bzw. FSS), und
unterscheidet sich natürlich von einem SozPäd-Studium
(Jemand, der allg. Pädagogik studiert ist ja auch nicht
automatisch ein Schul-Lehrer - dafür gibt Lehramts-Studiengänge
aller Richtungen...)

So gesehen könnte man auch fragen, wo der Unterschied
zwischen eiem Grundschullehramt und einem Lehramt für die
gymn. Oderstufe ist...

Ohha, ich hoffe, der Text hier ist nicht zu böse rübergekommen !

Es geht mir mehr um die Sache.

:-)

Liebe Grüße,
- Kalki -


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19.01.2004 12:44
avatar  Sonja ( gelöscht )
#22
So
Sonja ( gelöscht )

Hi ,
ich, Erzieherin mit 18 jahren Berufserfahrung, sitze hier in England und frage mich welche Veränderungen in der ErzieherInnen Ausbildung verpassen.
Früher gab es Kinderpflegerinnen, jetzt Sozial assistentinnen- mit beiden Ausbildungen ist man "Zweitkraft".
Sollte die Ausbildung an Fachhochschulen verlagert werden , ist viele Menschen mit Realschulabschluß ein weiterer Beruf verbaut.
In meinen Augen sollte die Ausbildung europaweit vereinheitlicht werden, damit die Chancen in internationalen Vergleich besser sind. Hier in England ist Kindergarten zb. in keinster Weise mit einem deutschen oder östereichichem Kiga gleichzusetzten.
Dei Bezahlung hier als "Nursery Nurse"ist armselig und 40 Stunden Woche Regel.Als Erzieherin verdient man in Deutschland wirklich nicht schlecht.
Der nächste Schritt ist hier "Nursery teacher", d.h. Studium und oft 2 verschiedene Gruppen an vor uns nachmittag.
In Deutschland ist die gesamte Ausbildung auf Spielen und Sozialisation ausgelegt, hier geht es um Schreiben, Lesen und Rechnen.......

Eine europaweite Angleichung wäre in meinen Augen wünschenswert,
bye Sonja


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